Sektion Leistungsmarsch-Wandern
Finisher beim UTVV100 in Slowenien

Eine nichtssagende Buchstabenkombination, die es in sich hat: 106 km Lauf mit 5.300 Höhenmetern!

„Wozu ist die Straße da, zum Marschieren…“ Unter dieser Prämisse dieses alten Wanderliedes entschloss sich Karl Heinz Riegl, sich für den UTVV100 von 12. bis 13. Mai 2018 anzumelden. Nachfolgend finden Sie seinen Bericht:

UTVV100 (Ultra Trail Vipava Valley), eine nichtssagende Buchstabenkombination, die es in sich haben sollte: Ein 106 km-Lauf in den slowenischen Bergen, mit 5.300 zu bewältigenden Höhenmetern, das bedeutete diese Herausforderung im Klartext. Abgesehen von dieser zu bewältigenden Aufgabe war es auch Plan, mein andauerndes Magenproblem abermals unter solchen Bedingungen auszutesten und die im Vorfeld ermittelten Problempunkte in der Tat, hoffentlich erfolgreich, abzuarbeiten.

Das lange Wochenende ermöglichte es mir schon zwei Tage vorher anzureisen um die vorgegebenen Labestationen und die Umgebung mit meiner Frau gemeinsam zu besichtigen. Sie musste ja dann auch die jeweilige Versorgung und Betreuung an den Labestationen durchführen.

Bei Tagesbeginn versammelte sich in Ajdoscina, einem kleinen idyllischen Städtchen, die Laufgemeinschaft für den 100 km-Ultra. Wo dann um Punkt 06:00 der Start für dieses Abenteuer erfolgte. Meinen Puls-Plan streng einhaltend, ging es kurz nach dem Start gleich ziemlich steil in das angrenzende Gebirge, also keine Zeit um sich Warmzulaufen. Übermotivierte Läufer wurden schon nach einigen Kilometern wieder von mir eingeholt. Inmitten dieser wechselnden Läufergruppen war es für mich sehr schwer nicht der Emotion zum Opfer zu fallen, sondern streng nach Plan zu laufen. Dieser Plan bedeutete für mich diese 106 km unter 20 Stunden zu laufen, doch davon später….

In herrlichem Hochgebirgsambiente, bei traumhaftem Laufwetter, ging es durch wechselndes Gelände, wo sich steile Anstiege und ebenso steile bergab-Passagen aneinanderreihten. Herrliche Waldwege, Geröllhalden und wechselnder Untergrund machten es einem nicht leicht, eine konstante Pace zu laufen. Meine Anspannung stieg hingegen, als die vom Wetterbericht vorhergesagte Schlechtwetterfront auch tatsächlich eintraf. Sintflutartige Regenfälle in Kombination mit einem Graupelschauer machten das Laufen nicht gerade angenehmer und schon gar nicht sicherer. Binnen Sekunden wurde die bereits durchgeschwitzte Bekleidung auch von außen „gewaschen“.

Auf diese sich veränderten Umstände reagierend, musste ich meine Pace beim darauffolgendem bergab-Stück stark reduzieren. Rutschiges Geröll und Moos machte einen flotteren Schritt für mich unmöglich. Noch dazu, wo ich nicht einmal die Hälfte der Distanz zurückgelegt hatte, wollte ich nichts übermäßig riskieren. Als ich jedoch nach der als Orientierungspunkt festgelegten Marathondistanz von 42 km auf die Uhr blickte und auf ihr eine aktuelle Laufzeit von 07:19 feststellen musste, erkannte ich sofort, dass das mit den 20 Stunden als Vorgabe knapp werden würde.

Bei einem von „sehr gut“ bis „na ja“ wechselndem körperlichen Zustand, wurde die Nahrungsaufnahme immer wichtiger. Das Essen – Trinken – Essen – Trinken wurde bereits automatisiert durchgeführt. Die Labestationen boten auch ein sehr reichhaltiges Sortiment an „Treibstoff“ an. Ich versuchte mich aber trotzdem an „meine“ Ernährung zu halten, weil wir ja diesen „neuen Weg“ nochmals in der Langzeitpraxis testen wollten. Abgesehen von ein paar unwiderstehlichen Suppenangeboten und einigen Snacks, blieb es auch dabei.

Schön langsam war es Zeit, sich auf die Nacht vorzubereiten und so wechselte ich meine Kleidung gegen eine trockene und vor allem wärmere und aktivierte meine Stirnlampe. Als ich bei der Labe am „Nanos Peak“ erfuhr, dass das nicht wie angenommen, der höchste Punkt sein würde, sondern dass es von dort nochmals bei völliger Dunkelheit 5 km steil bergauf gehen sollte, konsumierte ich noch zusätzlich eine kräftigende Suppe mit Käse und machte mich auf den Weg. Durch diese Versorgung wieder in sehr gute Verfassung gekommen, konnte ich einige vor mir laufende Gruppen ein- und überholen. Was natürlich noch zusätzlich meine Motivation hob.

Endlich am durch Starkwind eisigen Gipfel angekommen, versuchte ich nach einer ganz kurzen Rast, den Weg bergab zu finden. Die ausgesprochen gut reflektierende Markierung war in der Nacht, im Schein der Stirnlampe, fast besser erkennbar als am Tage. Obwohl in den dichten Waldstücken, völlig alleine laufend, musste ich schon einige Male anhand der vorgefundenen Spuren der vor mir gelaufenen Teilnehmer „schätzen“, wohin die Reise weitergehen würde …

Ab Km 94, weder vor mir noch hinter mir einen Lichtkegel erkennend, habe ich meinen Laufmodus auf „safe“ umgestellt. Da ich nicht wusste, wie groß die Lücke nach vorne war, versuchte ich nur mehr meine Gedanken und meine Oberschenkel, die durch die vielen langen bergab-Stücke entsprechend in Mitleidenschaft gezogen worden waren, bei Laune zu halten. Die letzten 7 km setzten mir wegen des geröllartigen Waldsteiges, steil bergab Richtung Ziel, sehr zu. In der Ferne konnte ich schon weit unter mir den Lichterschein des Zielgeländes erkennen. Ab diesem Moment wusste ich: „das war‘s, geschafft“! Als ich dann im Zielbereich von vielen Menschen, meiner Frau und dem Lärm der Musik empfangen wurde, fiel die Last des Tages von mir.

Nach dem Erhalt der Finishermedaille konnte ich 20 Stunden und 19 Minuten auf meiner Uhr ablesen. Damit erreichte ich in der Gesamtwertung den 68. Platz und in der Klasse +50 den 9. Platz. Mein größter Erfolg aber war, dass ich weder mit dem Magen noch mit der Verdauung irgendein Problem gehabt hatte, was mich für meine nun wieder planbaren MultiStageRaces hoch motiviert.

Danke an meine Sponsoren, dir mir auch in dieser für mich sehr problematischen Zeit die Treue gehalten haben: IMSB, SEAT, POWER BAR, HARTMUT KÖCK, HSV, ÖBH, RPP – DANKE!

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